Träume versus Realität – Wie Sie Ihr Luftschloss auf den Boden der Realität bringen können

Es ist schon interessant. Es gibt, glaube ich, kein Land, das so viele Europäer mit so vielen romantischen Vorstellungen verknüpfen wie Kanada (mich am Anfang eingeschlossen). Bevor ich zum ersten Mal nach Kanada auswanderte, hatte ich all die schönen Vorstellungen von einem romantischen Blockhaus im Wald mit einem offenen Kamin, in dem ein Feuer knistert. Schon nach kurzer Zeit wurde ich hart auf den Boden der Realität geknallt. 

Irgendwie sind diese Träume und Vorstellungen sehr verständlich, leben wir vor allem in der Schweiz aber auch im restlichen Europa schon sehr zusammengedrängt. Und je dominanter die Kommerzgesellschaft wird, umso mehr sehnen wir uns zurück nach einem einfachen und sinnerfüllten Leben. 

Der Mensch neigt dazu, all seine unerfüllten Wünsche und Träume in die Zukunft und in einen neuen Ort hinein zu projizieren. Dadurch entsteht eine falsche Überzeugung, dass in der Zukunft oder am anderen Ort alles besser sein werde. 

Dazu kommen noch zusätzliche unrealistische Vorstellungen, wenn man sich während eines Urlaubes oder durch Lektüre und Filme in ein Land verliebt. Jedes Land zeigt sich seinen Urlaubern von einer anderen Seite, so wie ein Gastgeber den Gästen gegenüber immer sein bestes Gesicht zeigt. Wenn man dann tatsächlich in einem solchen Land lebt, ist plötzlich alles ganz anders. 

Inzwischen habe ich die Erfahrung gemacht, dass man sehr wohl seine Träume und Wünsche in Kanada verwirklichen kann, denn dort gibt es nicht nur viel Platz, sondern die Bürokratie lässt den Menschen viel mehr Spielraum als hier in Europa. Wichtig ist einfach, dass man

  1. weiss, was man will und wie man das erreichen kann
  2. nicht versucht, irgend welchen persönlichen Problemen mit einem solchen Schritt aus dem Weg zu gehen, sondern persönliche Probleme vorher löst und frei etwas Neues beginnen zu können
  3. sich die Mühe macht, das neue Land und die Menschen wirklich kennen zu lernen

Wir müssen uns eines bewusst sein: egal wohin wir gehen, wir nehmen uns selber immer mit. Wenn wir in Europa in gewissen persönlichen Bereichen Probleme haben, dann werden wir in einem anderen Land vorerst die selben Probleme haben, so lange, bis wir diese transformieren. Flucht ist daher die denkbar schlechteste Voraussetzung, um in einem anderen Land glücklich zu werden. Weder Geldmangel, Einsamkeit, Depressionen oder Probleme mit Nachbarn verschwinden einfach auf magische Weise in einem fremden Land. Da muss man schon etwas aktiv dagegen tun. 

Selbstverständlich ist die Dichte des Mobilfunks hier eine Ausnahme, da wir in Forest Hill wirklich keinen Mobilfunk haben. 

Obwohl es genau der gleiche Vorgang ist, ob wir vor etwas flüchten oder uns offen auf etwas Neues zubewegen, kann das Resultat ein ganz anderes sein. Wenn wir vor etwas flüchten, haben wir den Fokus auf etwas Negativem, selbst wenn es eine unbewusste Flucht ist. Wenn wir uns aber bewusst auf etwas Neues zubewegen wollen, dann ist der Fokus auf dem Neuen und somit auf etwas Positivem. Die innere Haltung macht einen grossen Unterschied. 

Wir müssen uns bewusst sein, dass jedes Land Vor- und Nachteile hat. Und eigentlich möchte ich sie auch nicht Vor- und Nachteile nennen. Es sind einfach Gegebenheiten und Tatsachen, die in jedem Land etwas anders sind. Wer auswandern will, sollte dies nicht mit dem Ziel tun, eine andere Nation verändern zu wollen. Noch schlimmer sind die Blutsauger, die nur vom Sozialsystem eines Landes profitieren wollen. Auch damit wird einem in Kanada kein Glück beschert sein. Man muss hier schon realistisch bleiben. Es ist wichtig, dass vor einem solchen Schritt mit sich selbst ins Reine kommt. 

Bezüglich Kanada muss sich jeder Europäer, der auswandern will bewusst sein, dass die Natur dort viel stärker, ursprünglicher und somit auch unerbittlicher ist. Das was wir uns als Europäer oft gerade wünschen – nämlich mehr ursprüngliche Natur – kann in Kanada ganz schnell zu einem Problem oder gar zu einer Gefahr werden. Man muss einfach wissen, wie man damit umgehen muss. 

In einem unserer letzten Artikel haben wir über das Überwinden von Angst vor Neuem gesprochen. In diesem Artikel möchten wir Ihnen die Realität eines Lebens in Kanada etwas näher bringen, damit Sie klarere Vorstellungen davon und von daher eine bessere Entscheidungsgrundlage haben. Damit nehmen wir auch gleichzeitig irgend welchen diffusen Ängsten und Unsicherheiten den Boden weg. 

Black Flies

Natur ist Natur, und da unsere Leser genau das an Kanada schätzen, gibt es gewisse Dinge, die wir weder ändern können noch wollen. Und eines davon sind die Black Flies. Im Mai/Juni werden diese stechenden Plagegeister aktiv und blutrünstig. Ich kenne Europäer, die wegen der Black Flies nie mehr nach Kanada reisen wollen. Obwohl wir in unserer Familie Allergiker gegen Insektenstiche haben, würden wir eine solche Entscheidung niemals von einem Insekt abhängig machen. Denn wir haben persönlich erlebt, dass man eine Insektenallergie wirksam rückgängig machen und vollständig davon geheilt werden kann. Ausserdem kann man sich vorbeugend schützen, und es ist lediglich ein Monat im Jahr. Je länger man in Kanada lebt, umso mehr entwickelt der Körper Abwehrstoffe, die die Black Flies abhalten und umso weniger machen einem die Stiche aus. Wen die Black Flies immer noch stören, der kauft sich ein speziell dafür entwickeltes Netz für den Kopf und ein sogenanntes Repellent, durch dessen Geruch Insekten ferngehalten werden können. Wer jedoch nicht bereit ist, mit den Insekten zu leben, ist in Kanada am falschen Ort.

Winter

Dank des Golfstroms sind die Winter in Nova Scotia mild und oft schneefrei. Trotzdem muss man wissen, dass die Winter dort etwas länger sind als in Zentraleuropa, dass die Temperaturen nachts zwar selten aber auch schon mal auf minus 35° sinken können, und dass wenn es schneit, es grössere Mengen an Schnee gibt. Der Vorteil gegenüber Europa ist, dass es nie lange Schlechtwetterphasen gibt – das Wetter ändert mehrmals am Tag. Ausserdem ist der Schnee drüben viel leichter als bei uns. Wer in Kanada leben will, braucht eine gute Heizung und ein gut isoliertes Wohngebäude. Für diese Toleranz der Natur gegenüber werden wir dann dafür mit den wunderschönsten Winterbildern belohnt, die man sich wünschen kann. Wer jedoch die Tropen vorzieht, ist in Kanada falsch, ausser er verbringt dort nur die Ferien während der wärmeren Jahreszeit. 

Wald

Ich persönlich liebe den kanadischen Wald total. Seit ich in Kanada erlebt habe was Wald sein kann, ziehen mich die europäischen Wälder nicht mehr an. In Nova Scotia findet man zwar nicht die grossen Bäume, wie sie im Westen Kanadas wachsen, aber die Wälder sind von einer Ursprünglichkeit, wie man sie hier in Europa kaum mehr kennt, denn dort gibt es keine Förster, die alles ganz säuberlich aufräumen. Die Düfte der Wälder sind schlicht spektakulär, weil halt auch die Luft rein ist. Auf der anderen Seite muss man sich auch bewusst sein, dass man dort vergebens nach beschilderten Wanderwegen sucht. Selbst Einheimische verlaufen sich im Wald, wenn sie nicht aufpassen (was z.B. beim Beeren Suchen und Pilze Pflücken sehr schnell passieren kann), und es kommt jedes Jahr vor, dass Menschen im Wald verloren gehen und nie mehr gefunden werden. Europäer antworten darauf sofort, dass ihnen das nicht passieren könnte, da sie genau wüssten, worauf sie achten müssten. Das ist schon mal der erste grosse Fehler. Deshalb ist es für die zukünftigen Bewohner von Forest Hill wichtig zu wissen, dass man sich langsam an die Umgebung gewöhnen und muss und nur die Wege benutzen sollte. Man kann nicht einfach loswandern und hoffen, dass man am Abend wieder zuhause ankommt. Denn der Grossteil von Nova Scotia ist von Wald bewachsen, und irgendwann sehen alle Seen gleich aus, so dass man komplett die Orientierung verlieren kann.  Man muss einfach willens sein, die Gegend zuerst kennenlernen zu wollen. Und man muss sich auch vor jeder Wanderung richtig ausrüsten. 

Wilde Tiere

Am meisten Angst haben Europäer vor Bären, obwohl die Schwarzbären in Nova Scotia sehr scheu sind und nicht von sich aus angreifen. Ich persönlich habe viel mehr Respekt vor Stinktieren und Stachelschweinen. Wegen der Kojoten sollte man nicht allein im Dunkeln durch den Wald spazieren, bevor man nicht eine gewisse Sicherheit im Umgang mit ihnen gewonnen hat. Als Europäer sollte man sich zuerst die Mühe machen, die Tiere und ihre Eigenheiten kennen zu lernen und sich ihren Gewohnheiten anzupassen. Zum Beispiel weiss man nie, wie ein Tier seine Jungen verteidigen wird. In Forest Hill haben alle Tiere die genau gleiche Berechtigung dort zu leben wie wir Menschen. Da muss man als Mensch genügend Weisheit und Verständnis für die pelzigen Mitbewohner entwickeln, denn wenn etwas passiert, ist nie das Tier schuld, sondern immer der Mensch, der etwas nicht berücksichtigt hat.  

Wetter

Wie die Natur ist teilweise auch das Wetter in Nova Scotia ursprünglicher und heftiger. Obwohl es in Nova Scotia keine langen Schlechtwetterphasen gibt wie in Europa, gibt es Wetter, das einen zwingt, zuhause zu bleiben. Viele Europäer unterschätzen leider immer wieder die Schneefälle in Kanada. Es kann schnell viel Schnee geben, und da ist man besser zuhause, bevor das eigene Fahrzeug die Menge nicht mehr bewältigen kann, denn auf dem Land kommt der Schneepflug ein- bis zweimal am Tag (wenn überhaupt). Noch wichtiger ist dies bei Schneesturm, was in Nova Scotia ein paar mal im Jahr vorkommt. Schneestürme werden im Radio immer vorausgesagt, und dann bleiben die Kanadier auf dem Land zu Hause. Es wäre naiv, sich während eines Schneesturmes weit von seinem Haus zu entfernen. Dasselbe gilt auch für Hurrikane, da einem während eines Sturms schon mal ein Baum auf den Kopf fallen kann. An solchen Schlechtwettertagen bleiben die Kanadier zuhause oder besuchen ihre nächsten Nachbarn und machen oft zusammen Musik. 

Die Menschen

Die Menschen in Nova Scotia sind sehr freundlich und hilfsbereit. Und wenn man in ihnen mal einen Freund gewonnen hat, dann hat man einen Freund fürs Leben. Wie in jedem anderen Land gibt es auch in Kanada gute und schlechte Menschen, und sehr oft sind diejenigen, die zuerst auf einen zukommen, nicht immer die Guten. Da es in Nova Scotia wenig Jobs für Handwerker gibt, so kommt es leider auch zu Diebstahl und Einbrüchen,  vor allem in Häusern von Europäern, die nicht ganzjährig bewohnt sind. Die Kanadier haben das Gefühl, dass alle Europäer reich seien und dass es uns nichts ausmachen würde, ab und zu neue Möbel zu kaufen. Wenn man einen Handwerker braucht, kann es auch vorkommen, dass der Preis plötzlich steigt, wenn der einen Akzent hört. Gegen solche Dinge kann man sich aber gut schützen. Wichtig ist einfach, dass man nicht blauäugig in etwas rein rennt, sondern sich an Menschen hält, denen man vertrauen kann. Deshalb werden wir in Forest Hill einen Verwalter haben, der dort rund ums Jahr wohnt und die Zufahrt zu den Cottages wird durch ein Tor geschützt sein. Wir haben in Kanada die schönsten wie auch die schlimmsten zwischenmenschlichen Erfahrungen gemacht. Dadurch haben wir gelernt, uns an unsere einheimischen Freunde zu halten, wenn wir einen Handwerker oder Dienstleister brauchen. 

Jagd

Im September ist in Kanada Jagd, und das ist die Zeit, wo fast jeder Neuschottländer sein Gewehr schulter und sich auf die Pirsch macht. Auf unserem Grundstück ist die Jagd zwar verboten, aber die Bewohner von Forest Hill wollen sich ja sicher nicht nur im Retreat selbst aufhalten. Deshalb ist es wichtig, dass jeder Mensch und Hund während der gesamten Jagdzeit draussen eine orange Weste trägt, die es speziell für diesen Zweck im Handel gibt. 

Mit diesen Beispielen wollen wir Ihnen keine Angst machen, denn Millionen von Kanadiern und hunderttausende von Europäern leben mit diesen Begebenheiten, und sie leben sehr gut und glücklich damit. Man kann sein romantisches Blockhaus haben – sehr günstig und sehr unbürokratisch…man braucht dafür einfach die richtigen und ehrlichen Arbeiter. Man kann die Abende vor dem knisternden Kaminfeuer geniessen…dafür braucht es bloss trockenes Brennholz, was in Kanada eine grössere Herausforderung darstellt als im deutschsprachigen Europa. 

Wichtig ist einfach, dass man sich realistisch darauf vorbereitet und weiss, wie man damit leben kann. Es ist auch wichtig, für sich selbst abzuwägen, was einem wichtiger ist. Kein Land bietet alles und erfüllt alle Wünsche. Wir Menschen müssen uns der Natur und dem neuen Land anpassen und nicht umgekehrt. Und in Kanada ist die Natur Gott sei Dank noch ursprünglicher und dadurch für uns Europäer halt auch unberechenbarer. Deshalb empfehlen wir Ihnen sehr, zuerst mit uns das Gespräch zu suchen, damit wir Ihre Fragen beantworten können. Halten Sie sich einfach an uns und unsere einheimischen Freunde. Damit sind Sie bereits zu einem grossen Teil optimal geschützt. 

Es braucht Weisheit, Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft, sich der Natur und dem neuen Land anzupassen. Es braucht ein realistisches Abwägen der eigenen Bedürfnisse. Dann kann man dort auch glücklich werden und all die Vorteile des Landes und die Segnungen der Natur geniessen. 

Sobald Sie bereit sind, sich näher mit dieser Möglichkeit zu befassen, empfehlen wir ihnen eine Reservation Ihres bevorzugten Standplatzes

Bitte schreiben Sie Ihre Fragen unten ins Kommentarfeld. Wir werden alle beantworten. 

 

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